July 4, 2022

5 Arten von Hindernissen, die Scrum Master beseitigen

Welche Verantwortung übernimmt ein Scrum Master im Unternehmen?

Scrum Master sind für die Effektivität des Scrum Teams verantwortlich. Sie helfen dem Team, seine Ziele zu erreichen. Behindert etwas den Fortschritt des Teams, dann übernehmen sie die Verantwortung dafür, dass dieses Hindernis beseitigt wird. 

Hier findest du eine Übersicht über die fünf verschiedenen Arten von Hindernissen, denen du als Scrum Master begegnen kannst: 

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1. Verständnis von Scrum im Scrum Team

 

Wenn für dein Team Scrum neu ist, dann wirst du einen großen Teil deiner Zeit damit beschäftigt sein, deinem Team dabei zu helfen, Scrum zu verstehen. 

Dazu gehört nicht nur, dass die Teammitglieder die Events und deren Timeboxen kennen, sondern auch, dass sie das „Wozu“ dahinter verstehen. Bei neuen Teams erkläre ich deshalb zunächst, was Unsicherheit bedeutet und wie uns eine empirische Arbeitsweise hilft, diese zu reduzieren. 

Hierzu verwende ich die Metapher eines Thermostats.

Es ist eine geniale Erfindung, denn es ermöglicht uns, die Raumtemperatur zu regeln, ohne alle Variablen – z. B. die Raumgröße, Anzahl der Personen oder die Anzahl der offenen Fenster im Raum – zu kennen.

Scrum funktioniert genauso wie ein Thermostat, nur regeln wir nicht die Raumtemperatur, sondern den Fortschritt in der Produktentwicklung. Wichtig hierbei ist, einzusehen, dass ein Thermostat nur so gut funktioniert, wie es in der Lage ist, die wirklich vorherrschende Raumtemperatur zu messen. Die Temperatur muss also transparent sein. Gleiches gilt auch für Scrum. 

Scrum funktioniert nur, wenn die Arbeit und deren Ergebnisse transparent sind. 

Nun ist Scrum kein mechanischer Prozess, sondern es sind Menschen beteiligt, und deshalb kann sich wahre Transparenz nur einstellen, wenn alle Mitglieder im Team sich vertrauen und den Mut haben, auch offen zu sprechen. 

Haben die Teammitglieder ein grundlegendes Verständnis über die Elemente des Scrum Rahmenwerks erlangt, solltest du dich auf die Hindernisse konzentrieren, die deine Teammitglieder daran hindern, sich gegenseitig zu vertrauen. Diese Dinge sind häufig darauf zurückzuführen, dass das Team noch kein Team ist. 

 

2. Bildung eines (Scrum) Teams

 

Ein wirkliches Team vertraut sich blind. 

Um dieses Vertrauen herzustellen, sind die Scrum Werte ein guter Startpunkt. Je mehr die Mitglieder im Team die Scrum Werte leben, desto mehr Vertrauen wird zwischen ihnen entstehen. Vertrauen entsteht, wenn sich jeder im Team dazu verpflichtet, die Ziele des Teams auch erreichen zu wollen und einander dabei zu unterstützen. Vertrauen entsteht, wenn sich jeder im Team auf die Arbeit im Sprint konzentriert und bei deren Fortschritt offen gegenüber Stakeholdern ist. Nur wenn sich die Teammitglieder als fähige Menschen respektieren und den Mut haben, auch in schwierigen Situationen das Richtige zu tun, wird sich Vertrauen einstellen. 

Erst wenn Vertrauen im Team herrscht, wird sich auch eine Transparenz einstellen, welche es dem Team und dem Unternehmen ermöglicht, die Arbeitsergebnisse zu überprüfen und anzupassen. Diese Feedbackschleife aus Transparenz, Überprüfung und Anpassung bezeichnen wir als Empirie. Empirisches Arbeiten hilft Scrum Teams, das grundlegende Risiko effektiv zu kontrollieren. Dieses Risiko herrscht bei der Produktentwicklung, da es mehr Unbekannte als Bekannte gibt.

Scrum Master begegnen Hindernissen bei der Bildung eines Scrum Teams, indem sie die Scrum Werte vorleben und den übrigen Mitgliedern helfen, die Werte Commitment, Fokus, Offenheit, Respekt und Mut zu leben. 

 

3. Exzellente Entwicklung

 

Stetige Weiterentwicklung hilft Scrum Teams wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Alle erfolgreichen Scrum Teams, mit denen ich zusammenarbeite, zeichnet eines aus: Die Teammitglieder sind stets hungrig, neue Fachkenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben und mit anderen zu teilen. Als Scrum Master solltest du ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem es leicht fällt, neues Wissen zu erwerben und es mit anderen zu teilen. Erfolgreiche Scrum Master sind Facilitatoren, das heißt, sie erleichtern die Zusammenarbeit für die anderen Mitglieder ihres Teams. Im Bereich der Softwareentwicklung haben sich viele Praktiken etabliert, die Wissensaustausch und Zusammenarbeit im Team erleichtern. Pair Programming, Mop-Programming und Code Reviews sind bekannte Beispiele dafür.

Ein Scrum Master, der seinem Team erfolgreich zu exzellenter Entwicklung verhilft, muss keinen technischen Hintergrund haben, sollte aber die Verantwortung für die stetige Weiterentwicklung seines Teams übernehmen. In den wenigsten Fällen wird er selbst als Mentor für andere Teammitglieder fungieren können, aber er kann sich im Team, Unternehmen oder extern nach passenden Mentoren für die Teammitglieder umsehen. 

Vor einiger Zeit habe ich einen Scrum Master kennengelernt, der die Verantwortung für die Weiterentwicklung seines Teams aktiv übernommen hat. Er beobachtete, dass das Teilen von Wissen und die Zusammenarbeit von Designer und Softwareentwicklern für sein Team zum Hindernis wurde und nicht ermöglichte, den Nutzern frühzeitig neue Versionen des Produkts bereitzustellen. Um neue Ideen zu bekommen, wie die Zusammenarbeit verbessert werden kann, hat er meinen „Professional Scrum mit UX“-Kurs besucht. Dieses Wissen hat er dann an seine Teammitglieder weitergegeben. Mit diesem neuen Wissen hat sich sein Team aufgemacht, um neue Wege in der Zusammenarbeit von Entwicklern und UX-Experten zu gehen.

Damit Scrum Teams exzellente Produkte entwickeln, musst du deinen Teammitgliedern helfen, stets ihre Arbeitsweise zu hinterfragen und nach Verbesserungen Ausschau zu halten. 

 

4. Angrenzende Prozesse

 

Ich glaube, das Geheimnis erfolgreicher Scrum Teams lautet:

Wir passen Scrum nicht so an, dass es für unsere Organisation passt, sondern wir passen unser Unternehmen so an, dass es zu Scrum passt. 

Damit meine ich nicht, dass jedes Team in der Organisation Scrum verwenden sollte, sondern dass sich agile Unternehmen nach den Prinzipien leiten lassen, welche sie durch die rigorose Anwendung von Scrum erlernt haben. Sie treffen Entscheidungen auf einer empirischen Grundlage, lassen sich von den Scrum Werten in ihrer Zusammenarbeit leiten und setzen täglich alles daran, ihre Nutzer oder Kunden stets zu begeistern. 

Deshalb helfen Scrum Master ihren Teams, mit anderen Personen, Teams oder Abteilungen so zusammenzuarbeiten, dass die Nutzer stets im Zentrum stehen.

  • Sie helfen Teams, über Teamgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten, indem sie Abhängigkeiten bei Product-Backlog-Einträgen transparent machen und eliminieren. 
  • Sie helfen dem Team, mit Stakeholdern und Fachexperten im Refinement oder Sprint-Review effizient zusammenzuarbeiten, um unnötige Wartezeiten bei der Arbeit zu vermeiden. 
  • Sie helfen dabei, die Qualitäts- und Freigabeprozesse so zu verändern, dass das Team stets in der Lage ist, die Versionen des Produkts zu liefern, wenn der Product Owner es für nötig erachtet. 

Neben den Prozessen im Unternehmen, welche direkte Auswirkung auf die tägliche Arbeit des Teams haben, kümmern sich erfahrene Scrum Master auch darum, die Organisation langfristig so zu verändern, dass ihre Teams darin effektiv arbeiten können. 

 

5. Organisatorische Prozesse

 

Wie wird in Produktentwicklungsvorhaben investiert? Wird in Produkte oder in Projekte investiert? Werden Teams miteinbezogen, wenn neue Teammitglieder gesucht werden? Wird die hervorragende Leistung jedes Einzelnen honoriert oder die des Teams als Gesamtes? 

Dies sind alles Fragen, welchen erfahrene Scrum Master auf den Grund gehen. Entdecken sie dabei Dinge, die ihr Team daran hindern, langfristig die Anwender ihres Produkts zu begeistern, oder das Unternehmen in seiner Agilität beeinträchtigen, dann setzen sie alles daran, diese Faktoren zu beseitigen. 

Letztlich stehen Scrum Master für die Veränderung ihres Unternehmens. Sie sind neben Lehrern, Facilitatoren und Mentoren auch Change-Agents. Scrum Master zu sein bedeutet den stetigen Wandel zu verkörpern und Veränderungen immer als Chancen zu begreifen, die Dinge besser oder neu zu machen.

Das macht Agilität im Kern aus!