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Aber...Wie kommen wir im Team wirklich voran?

February 3, 2026

 „Wir sollten offener miteinander sprechen.“
„Wir sollten klarer sein.“
„Wir sollten unsere Team-Vision leben.“

 

Klingt gut. Passieren tut dann nur leider sehr selten etwas.

Weg vom „Wir sollten…“ – hin zu echten Experimenten

 

Der Unterschied zwischen Wunschdenken und Veränderung liegt nicht in besseren Formulierungen –
sondern in Experimenten.

Experimente sind das Gegenteil von moralischem Anspruch:

  • zeitlich begrenzt
  • bewusst unperfekt
  • überprüfbar
  • ohne Gesichtsverlust abbrechbar

Wenn eine Team-Vision lebendig werden soll, braucht sie genau das.

 

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guide

 

Von der Vision zu Verhalten: Experimente statt Leitbilder

Eine Team-Vision scheitert oft nicht am Wollen, sondern an der Übersetzung in den Alltag.

 

„Unsere Vision: Wir arbeiten transparent.“

„Experiment: Transparenz im Alltag testen“


 

Transparenz erlebbar machen

  • Hypothese: Wenn wir Unsicherheiten früher teilen, sinkt Spannungsaufbau im Team.

Konkretes Experiment: Unsicherheit benennen

  • In jedem Daily benennt jede Person eine Unsicherheit oder offene Frage (fachlich oder organisatorisch).
  • Dauer: 2 Sprints
  • Beobachten und fest halten (schriftlich):
    • Wird früher nachgefragt?
    • Gibt es weniger „stille Überraschungen“?
  • Entscheidung: Beibehalten, anpassen oder verwerfen?

➡️ Vision wird nicht erklärt, sondern praktiziert.

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momente

Experimente zur Entstehung einer Team-Vision

Nicht jedes Team hat bereits eine Vision – und das ist okay.

 

Die Vision aus Erfahrungen ableiten

  • Hypothese: Eine Vision wird tragfähig, wenn sie aus echten Momenten entsteht.

Konkretes Experiment: Aktuelle Fragen

  • Eine Sammelstelle (Board) für zwei Fragen wird vom Team zur Verfügung gestellt:
    1. „Wann waren wir als Team richtig gut?“
    2. „Wann war Zusammenarbeit für uns frustrierend?“
  • Gemeinsam sammelt das Team über einen Zeitraum von z.B. 2 Sprints aktuelle Erfahrungen und bildet daraus Muster (keine Lösungen!).
  • Ergebnis:
    • Nach der abgelaufenen Zeit werden 3–5 wiederkehrende Prinzipien formuliert („Wenn es gut läuft, dann…“)
  • Dauer: 2 Sprints

➡️ Die Vision ist kein Zielbild, sondern ein destilliertes Selbstverständnis.

 

Was der Scrum Master experimentell tun kann

(um herauszufinden, was das Team wirklich braucht)

 

Der Scrum Master weiß es nicht besser – aber er oder sie kann es systematisch herausfinden.

 

 Die Mutter aller Experimente

  • Hypothese: Nicht alle Spannungen sind laut – manche verschwinden unter Höflichkeit.

Konkretes Experiment: Bedürfnis-Radar statt Annahmen

  • Anonyme Mini-Umfrage am Ende jeden Tages:
    • „Was kostete dich heute Energie im Team?“
    • „Was gab dir heuteEnergie?“
    • „Was hättest du dir heute mehrwenigeranders gewünscht?“
  • Rolle Scrum Master:
    • Muster spiegeln (nicht interpretieren!)
    • Raum schaffen, darüber zu sprechen
  • Fazit:
    • Solche Informationen in einem sehr kurzen Zeitraum einzusammeln gibt schnell ein sehr aktuelles Bild über vieles was im Team passiert. Hierbei sollen von den Personen im Team keine Aufsätze geschrieben werden, sondern eine Reflektion statt finden, die in der Regel nicht mehr als 2 Minuten pro Tag dauern sollte.
    • So können blitzschnell Muster erkannt werden, aufgrund derer neue Experimente abgeleitet werden können.

➡️ Der Scrum Master wird zum Sensor, nicht zum Problemlöser.

 

Team-Experimente: Die Vision im Alltag testen

Mutig sein fördert Zusammenhalt

  • Hypothese: Kleine mutige Schritte verändern mehr als große Vorsätze.

 

Konkretes Experiment: Der Mut-Slot

  • Am Sprintanfang definiert das Team eine mutige Verhaltensänderung:
    • früher Feedback geben -  wann genau?
    • Entscheidungen klar benennen - Wie genau? Und wo?
    • Konflikte direkt ansprechen - Wann genau? Welche Stufen gibt es? 
  • Am Sprintende kurze Reflexion:
    • Was war ungewohnt?
    • Was hat geholfen?
  • Dauer: 1 Sprint

 

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ungewohnt

 

Vision im Konfliktfall nutzen

  • Hypothese: Eine Vision zeigt ihren Wert erst unter Spannung.

Konkretes Experiment: Empfehlung?

  • Bei Konflikten bewusst das Band anhalten und mit dem ganzen Team diese Frage stellen:
    • „Was würde unsere Team-Vision hier empfehlen?“
  • Keine Lösung erzwingen – nur Perspektiven sammeln.
  • Beobachten:
    • Verändert sich die Gesprächsqualität?

➡️ Die Vision wird Orientierung, nicht Dekoration.

 

Fazit:

Veränderung entsteht nicht durch Einsicht – sondern durch Erleben

 

Team-Visionen scheitern selten am Verstehen.
Sie scheitern am fehlenden Experimentierraum.

Der Weg nach vorn ist nicht:

„Wir sollten endlich…“

Sondern:

„Lasst uns das für zwei Sprints ausprobieren – und ehrlich hinschauen, was passiert.“

Die Länge der Experimente werden eher kurz gehalten als zu lang laufen gelassen. Auch Experimente, die nur wenige Minuten dauern können schon wertvolle Erkenntnisse bringen. 

Der Scrum Master ist dabei nicht der Visionär.
Er oder sie ist:

  • Ermöglicher von Experimenten
  • Hüter des Lernraums
  • Anwalt für Reflexion

Und das Team?
Es wird nicht „entwickelt“.
Es entwickelt sich selbst – Schritt für Schritt.

 

Im kommenden Artikel stellt sich die Frage:

Warum Experimente in Teams scheitern

Und was ein Scrum Master tun kann, damit sie endlich wirken


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