Eine Aussage höre ich ständig:
„Wir experimentieren doch schon.“
„Wir reflektieren regelmäßig.“
Und trotzdem passiert … nichts.
Es geht mir nicht darum, Experimente als Allheilmittel zu verkaufen.
Sind sie nicht.
Entscheidend ist, was wir daraus lernen –
und ob wir bereit sind, danach wirklich etwas zu verändern.
Ohne Ziel.
Ohne Orientierung.
Ohne Vision.
… bleibt ein Experiment nur Beschäftigung.
Dann fällt man schneller in alte Muster zurück, als man „Retro“ sagen kann.
Und das ist schade.
Denn gemeinsam herauszufinden, was wirklich funktioniert, kann richtig Spaß machen.
Die unbequeme Wahrheit
Die meisten Team-Experimente scheitern nicht, weil Teams unfähig sind.
Sie scheitern, weil sie keine echten Experimente sind.
Schauen wir hin.
1️⃣ Das „Experiment“ ist ein verkleideter Wunsch
Typischer Satz:
„Wir probieren jetzt mal, transparenter zu sein.“
Das ist kein Experiment.
Das ist ein moralischer Auftrag.
Vielleicht ausgelöst durch Einzelmeinungen.
Vielleicht durch Druck von oben.
Aber kein Experiment.
Warum das stirbt
- Niemand weiß, was konkret anders sein soll
- Niemand weiß, woran Erfolg erkennbar ist
- Das Warum bleibt nebulös
- Abbrechen fühlt sich wie persönliches Versagen an
👉 Also hält man halbherzig durch.
👉 Und lernt nichts.
2️⃣ Das Experiment ist zu groß
Warnsignale:
„Das verändert unsere ganze Zusammenarbeit!“
„Ab jetzt machen wir alles anders!“
„Das müssen wir konsequent durchziehen.“
„Das schaffen wir nie.“
Klingt mutig.
Ist aber meist der Anfang vom Ende.
Warum das stirbt
- Zu viel auf einmal
- Zu hohe emotionale Fallhöhe
- Keine Lernschleife – nur Durchhalten
👉 Man verteidigt die Idee.
👉 Statt sie zu überprüfen.
3️⃣ Für das Experiment gibt es keine echte Freiwilligkeit
Offiziell:
„Wir probieren das mal.“
Gefühlt:
„Das ist jetzt der neue Standard.“
Warum das stirbt
- Zustimmung wird gespielt
- Widerstand wird unsichtbar
- Angst ersetzt Neugier
- Lernen wird unmöglich
Ein Experiment ohne Rückweg ist keins.
4️⃣ Niemand schaut mehr hin
Viele Teams starten Experimente.
Und reden danach nie wieder darüber.
Warum das stirbt
- Kein Abschluss
- Kein bewusstes Lernen
- Kein Fortschritt spürbar
Stattdessen entsteht:
„Noch ein Experiment?
Bringt doch eh nichts.“
5️⃣ Der Alltag frisst das Experiment zum Frühstück
Experiment beschlossen.
Alle motiviert.
Zwei Tage später?
Vergessen.
Warum das stirbt
- Niemand verantwortlich
- Kein fester Platz im System
- Wirksamkeit wird nicht eingefordert
- „Echte Arbeit“ gewinnt immer
Ohne Struktur verliert jede gute Idee.
6️⃣ Es fehlt psychologische Sicherheit
Das ist der härteste Punkt.
Anzeichen:
- Ergebnisse werden schön geredet
- Bauchschmerzen werden rationalisiert
- Niemand sagt: „Das war Mist.“
Warum das stirbt
Experimente brauchen:
- Unsicherheit
- Nicht-Wissen
- ehrliche Reaktionen
Ohne Psychologische Sicherheit bekommt ihr keine Wahrheit.
Ohne Wahrheit kein Lernen.
7️⃣ Die Vision fehlt
Ohne Richtung wirkt jedes Experiment beliebig.
Dann kommen Fragen wie:
„Warum machen wir das?“
„Schon wieder was Neues?“
Damit ist es innerlich bereits beendet, bevor es richtig los gehen konnte.
Fazit: Das Problem sind nicht die Teams
Es sind die Erwartungen.
Ein echtes Experiment:
✔ darf scheitern
✔ muss nichts beweisen
✔ produziert Erkenntnisse, keine Schuldigen
Und jetzt wird’s spannend:
Wenn ein Experiment „funktioniert“,
ist es eigentlich kein Experiment mehr.
Dann habt ihr etwas gefunden, das zu euch passt.
Behalten.
Der Rest?
Darf gehen.
Ohne Drama.
Ohne Rechtfertigung.
Ohne schlechtes Gewissen.
Teams geht es nicht nur um Verbesserung.
Es geht um Lernen.
Und was ehrlich trägt, bleibt.
Alles andere kostet nur Energie.