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Die Team-Vision: Echte Zusammenarbeit ist kein Zufall

January 15, 2026

Scrum ist ein Framework, um komplexe Probleme zu lösen. Schritt für Schritt entsteht dabei ein Produkt, das zur Lösung dieses Problems beiträgt – sei es ein konkretes Produkt oder ein Service.

Für dieses Produkt wird in der Regel intensiv an einer Produktvision gearbeitet. Eine Vision, die ein starkes Warum in sich trägt. Sie beschreibt einen Zielzustand, den es so in der Welt noch nicht gibt, und macht klar, wohin die Reise gehen soll.

 

Doch was ist eigentlich mit der Weiterentwicklung eines Scrum Teams selbst?

 

Zusammenarbeit als Produkt denken

Wenn wir genauer hinschaue, dann lässt sich auch die Zusammenarbeit der Menschen in einem Scrum Team als eine Art Produkt verstehen.
Ein Produkt, welches “noch” nicht fertig ist – sondern sich über die Zeit kontinuierlich verbessern soll.

Hier wird es spannend:
Was bedeutet eigentlich „besser“?

  • Mehr Kommunikation?
  • Klarere Kommunikation?
  • Weniger rein quatschen?
  • Pair Programming?
  • Mob Programming?
  • Mehr Freiheiten?
  • Mehr Mut zur offenen Diskussion?

All das kann richtig sein – oder eben auch nicht. Denn ohne ein gemeinsames Bild bleibt „besser“ vage. Und ohne Richtung wird Veränderung schnell beliebig.

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hamster

 

Wohin soll unsere gemeinsame Reise gehen?

Genau hier setzt für mich die Team-Vision an.

So wie ein Produkt eine Vision braucht, braucht auch ein Team ein gemeinsames Bild davon, wie es zusammenarbeiten möchte. Nicht von außen vorgegeben, nicht aus einem Lehrbuch kopiert – sondern getragen von den Menschen im Team selbst.

 

Der perfekte Team-Tag als Ausgangspunkt

Der Einstieg ist überraschend einfach – und gleichzeitig unglaublich wirkungsvoll:

Jede Person im Scrum Team stellt sich ihren perfekten Arbeitstag im Zusammenspiel mit den anderen Teammitgliedern vor.

Nicht abstrakt, sondern ganz konkret:

  • Wie fühlt sich der Tag an?
  • Was passiert?
  • Wie gehen wir miteinander um?

Aus diesen Vorstellungen kristallisieren sich Kernelemente heraus. Beispiele, die an dieser Stelle gern auftauchen sind:

  • Hilfe ist genau dann greifbar, wenn ich sie brauche
  • Es gibt echte Gespräche, um einander besser kennenzulernen
  • Wir lachen zusammen
  • Fehler dürfen offen angesprochen werden – und wir tragen sie gemeinsam
  • Entwickler:innen gestalten Sprint Reviews kreativ gemeinsam mit Stakeholdern
  • Es gibt leidenschaftliche Diskussionen über die nächsten Schritte im Produkt
  • Experimente werden bewusst entworfen, durchgeführt, überprüft und angepasst
  • Das Team kann ungestört fokussiert zusammenarbeiten
  • Jede:r setzt sich erreichbare Ziele zur eigenen Weiterentwicklung
  • Fortschritte – auch kleine – werden gefeiert

Und das ist nur ein Ausschnitt.

 

Geschichten teilen, Verständnis schaffen

Im nächsten Schritt werden diese Kernelemente im Team gesammelt, gebündelt und verdichtet.
Besonders wertvoll finde ich dabei den Austausch der Geschichten hinter den Vorstellungen.

Teammitglieder erklären:

  • Warum ihnen etwas wichtig ist
  • Wie sie sich Zusammenarbeit wünschen
  • Was sie motiviert – und was eher bremst

So entsteht nicht nur eine Vision, sondern auch ein tieferes gegenseitiges Verständnis.

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team vision

Eine Vision entsteht nicht über Nacht


Dieser Prozess ist nicht von heute auf morgen abgeschlossen und im Grunde ist er das auch nie vollständig.

Genauso wie bei der Produktentwicklung braucht es Zeit, um den gemeinsamen Weg zu finden. Die Team-Vision wird geschärft, hinterfragt und weiterentwickelt.

Auf diesem Weg plant das Team kleine Experimente:

  • neue Formen der Zusammenarbeit
  • neue Meeting-Formate
  • neue Arbeitsweisen
  • kleine Veränderungen “on Demand”

Diese Experimente helfen herauszufinden, was das Team wirklich braucht, um gut, motiviert und nachhaltig zusammenzuarbeiten.

 

Fortschritte sichtbar machen

Ein Punkt, der oft unterschätzt wird:
Verbesserungen in der Zusammenarbeit sind schwer greifbar.

Deshalb ist es enorm wichtig, dass Teams eigene Metriken entwickeln, um Fortschritte sichtbar zu machen.
Diese orientieren sich – ganz wie beim Produkt – an der Team-Vision.

Nicht als Kontrollinstrument, sondern als Spiegel:

Wo stehen wir gerade – und wie nah sind wir unserer Vision gekommen?

 

Die Team-Vision als Leuchtturm

Die Team-Vision ist wie ein Leuchtturm auf hoher See.
Sie gibt Orientierung in stürmischen Phasen und hilft bei Entscheidungen im Alltag.

Und das Entscheidende:
Diese Vision kommt nicht von außen. Sie entsteht aus dem Team selbst.
Nur so kann echtes Ownership entstehen – und nur so wird kontinuierlich daran gearbeitet.

 

Das heißt übrigens nicht, dass der Scrum Master außen vor bleibt. Ganz im Gegenteil:
Er oder sie spielt in diesem Prozess eine zentrale Rolle.

 

Dazu mehr im nächsten Posting.


 


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